Judo

Was ist Judo?

Judo ist primär eine japanische Zweikampfsportart. Judo ist sportlicher Wettkampf, Spiel und Kunst zugleich!

Judo als Spiel

Wer legt den anderen zuerst auf den Rücken. Dies ist die grundsätzliche Frage in diesem Zweikampf-Spiel. Durch die zahlreichen Handlungsmöglichkeiten eröffnet sich im Judo ein unendliches Experimentierfeld. Es gilt seinen Partner, sein Gegenüber unter Berücksichtung von bestimmten Prinzipien und Werte auf den Rücken zu legen und/oder in eine kontrollierte Position zu bringen.

Judo als Wettkampfsport

Judo stellt vielseitige Anforderungen in allen Leistungsbereichen: Kondition, Koordination, Kognition sowie Emotion. Je nach gewählter Intensität kann Judo als Freizeit- und Breitensport oder als Leistungssport ausgeübt werden.

Judo als Kunst

Der Kunstaspekt im Judo kommt dort zum Ausdruck, wo heiter, aber gezielt und diszipliniert geübt wird, bis eine Technik fehlerfrei gelingt. Die Ästhetik steht dabei im Vordergrund und setzt eine über die praktischen Erfordernisse hinausgehende Vollkommenheit voraus.

Prinzipien und Werte

Die beiden grundlegenden Prinzipien im Judo sind:

„Seiryoku Zenyo“ bedeutet bestmöglicher Einsatz der Kräfte
„Jita Kyoei“ bedeutet zum Wohle aller, Leben in Harmonie

Entsprechend diesen beiden Prinzipien gelten im Judo folgende acht Werte:

Höflichkeit

Behandle Deine Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde. Zeige Deinen Respekt gegenüber jedem Judo-Übenden durch eine ordentliche Verneigung.

Hilfsbereitschaft

Hilf Deinem Partner, die Techniken korrekt zu erlernen. Sei ein guter Uke. Unterstütze als Höher-Graduierter/Trainingsälterer die Anfänger. Hilf den Neuen, sich in der Gruppe zurecht zu finden. Judo ist eine japanische Kampfsportart, deren Motto "Siegen durch Nachgeben" ist.

Ehrlichkeit

Kämpfe fair, ohne unsportliche Handlungen und ohne Hintergedanken.

Respekt

Begegne Deinem Lehrer/Deiner Lehrerin und den Trainingsälteren zuvorkommend. Erkenne die Leistungen derjenigen an, die schon vor Deiner Zeit Judo betrieben haben.

Bescheidenheit

Spiele Dich selbst nicht in den Vordergrund. Sprich über Deinen Erfolg nicht mit Übertreibung. Orientiere Dich an den Besseren und nicht an denen, deren Leistungsstand Du bereits erreicht hast.

Mut

Nimm im Randori und Wettkampf Dein Herz in die Hand. Gib Dich niemals auf, auch nicht bei einer drohenden Niederlage oder bei einem scheinbar übermächtigen Gegner.

Selbstbeherrschung

Achte auf Pünktlichkeit und Disziplin bei Training und Wettkampf. Verliere auf der Matte nie die Beherrschung, auch nicht bei Situationen, die Du als unfair empfindest.

Freundschaft

Achte all diese Werte und alle Menschen. Dann wirst Du beim Judo unweigerlich Freunde finden.

Die Geschichte des Judo

Ursprünge

Judo basiert auf dem Jūjutsu, d.h. mehreren traditionellen japanischen Kampfkünsten.

In den alten Chroniken aus den 8. Jh. n. Chr. werden die Vorläufer des Ju-Jutsu erwähnt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden japanische Kampfformen zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert aus dem Kumi Uchi (Nahkampf) dem Vorläufer des Yawara (Jiu Jitsu) entwickelt. Im 17. Jahrhundert verbanden die Japaner insbesondere die von chinesischen und koreanischen buddhistischen Mönchen, Gelehrten und Einwanderern eingebrachten Kampftechniken (Atemi, Quanfa) mit ihren traditionellen Systemen zu neuen, eigenen japanischen Kampfformen.

An den Höfen der Daimyo, der Fürsten, wurden diese Verteidigungs- oder Kampftechniken sowohl mit als auch ohne Waffe von den Samurai ausgeübt (Bujutsu).

Die Zeit der Samurai endete mit der Meiji-Restauration im Jahre 1868. Das fast 700 Jahre dauernde Shogunat wurde abgeschafft und der Kaiser übernahm wieder die Macht im Lande. Infolgedessen mussten die Samurai all' ihre Waffen ablegen. Die Wirksamkeit der alten Waffen (Schwerter, Spiesse, Bögen usw.) war ohnehin durch die Entwicklung der Feuerwaffen (Gewehre, Pistolen) nicht mehr gegeben.

Judo im modernen Japan

An der Kaiserlichen Universität in Tokio unterrichtete gegen Ende des 19. Jahrhunderts der deutsche Medizinalrat Erwin Bälz. Ihm fiel die schwache Konstitution seines Studenten Kano auf, weshalb er ihm empfahl, zur Stärkung die alten Samuraitechniken zu üben. Diese Geschichte, nach der Bälz letztlich der Auslöser für das Üben der alten Samuraitechniken war, wird oft erzählt, ist jedoch nicht bewiesen.
Einer seiner Schüler, der junge Jigoro Kano, übte bei verschiedenen letzten alten Meistern der Kampfkunst, hauptsächlich Kito-Ryu und Tenjin Shinyo-ryu Jujutsu. Aus den dort erlernten Techniken entwickelte er 1882 das moderne Judo, indem er die alten Jujutsu-Stile von gefährlichen Elementen befreite. Stösse, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken, insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen oder in die Kata integriert. Die verbleibenden Techniken ermöglichten einen sportlichen Zweikampf, ohne dass grössere Verletzungen zu befürchten waren. Diesen neuen Sport nannte er "Judo", zu deutsch: "sanfter" oder "edler Weg".

Kano gründete 1882 eine eigene Schule, den Kodokan ("Ort zum Studium des Weges", heute in Tokio), an der er seinen neuen Sport lehrte. Auch heute noch ist der Kodokan das "Mekka" des Judo.

Judo setzte sich in Japan allerdings erst durch, als die Schüler Kanos (zuvor Ju-Jutsu Praktizierende) im Jahre 1886 einen regulären Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen Jujutsu-Schule "Ryoi-Shinto Ryu" für sich entscheiden konnten. Aufgrund dieses Erfolges verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt. An den höheren Schulen in Japan gehört Judo zusammen mit Kendo zu den Wahlpflichtfächern.

Es wird behauptet, Kano habe das Judo durchaus als ernstzunehmende Selbstverteidigungskunst inklusive Schlägen und Fusstritten konzipiert (ohne die ein Sieg über "Ryoi-Shinto Ryu" nicht möglich gewesen wäre).

Der Weg in den Westen

1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Kiel. Die Gäste führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II. war begeistert und liess seine Kadetten in der neuen Kampfkunst unterrichten. Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn. Noch im gleichen Jahr gründete er die erste deutsche Schule für asiatische Kampfkünste. Damals nannte man diese Techniken noch "Jiu-Jitsu".
1922, nach Ende des 1. Weltkrieges, fanden die ersten Meisterschaften statt, bei denen Erich Rahn siegte. Es dauerte jedoch noch recht lange bis die Sportler in den eigentümlichen weissen Kitteln endgültig anerkannt wurden. Die ersten Europameisterschaften wurden 1934 in Dresden ausgerichtet. Durch den 2. Weltkrieg wurde die Entwicklung merklich unterbrochen. Bis 1948 war der Judosport sogar durch die Alliierten verboten. Heute wird Judo in über 150 Ländern ausgeübt.